Pressestimmen »Nicht einmal das Schweigen«

Kleine Zeitung Steiermark, 9.11.2019

Schaumbad Graz
Dem Schrecken ins Auge geblickt

»Nicht einmal das Schweigen« erzählt im poetischen Mitteln vom Grauen der Folter.

Welche Worte gibt es für die Martyrien politischer Gefangener? In ihrem Roman »Das Haus aus Stein« (2009, heuer bei Penguin auch auf Deutsch erschienen) beschreibt die türkische Autorin Aslı Erdoğan die seelischen und körperlichen Verwüstungen, die den Inhaftierten in Foltergefängnissen angetan werden – sieben Jahre bevor sie 2016 wegen »Volksverhetzung« selbst 132 Tage in türkischer Untersuchungshaft saß.

Im Schaumbad Graz wagt es nun der Verein Cocon, den poetischen Text der ehemaligen Grazer Asylschreiberin in bühnentaugliche Form zu bringen. »Nicht einmal das Schweigen«, so der Titel des Projektes, verbindet in Emel Heinreichs asketischer Inszenierung Schilderungen des Grauens und visuelle Schönheit zur unbehaglichen Gratwanderung entlang von Schauspiel, Performance, Akrobatik, bildender Kunst. Eingangs wird ein »Bazar« voller Kunstobjekte etwa von Elisabeth Gschiel, Franz Konrad, Andrea Sadjak erst zum Schauplatz, dann zum Tatort. In Folge findet das sechsköpfige Ensemble um Zeynep Buyraç aufwühlende Bilder für die Folgen von Isolation und Marter. Der spärliche Einsatz der Mittel – Licht, Halbmasken, ein Vertikalseil, die Geräuschcollage von Eva Ursprung – verstärkt dabei die Eindringlichkeit einer Erzählung, die für den Blick ins Auge des Schreckens eine eigene Sprache gefunden hat.

Ute Baumhackl

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Kronen Zeitung Steiermark, 9.11.2019

Atelierhaus Schaumbad: Aslı Erdoğan
Poesie voller Leid

»Das Haus aus Stein« zählt zu den bekanntesten Werken der verfolgten, verhafteten und immer noch der Willkür des Staates ausgelieferten türkischen Autorin Aslı Erdoğan. Mit dem Grazer Freien Atelierhaus Schaumbad zeigt der Verein Cocon ebendort nun eine Dramatisierung des beklemmenden Textes.

»Nicht einmal das Schweigen« lautet der Titel dieses Theaterabends, der mit eindringlichen Bildern den aufwühlenden Text in Szene setzt. Regisseurin Emel Heinrich [sic!] und ihr hervorragendes Darstellerteam, unterstützt von Saxofonistin Eva Ursprung, entführen zu Beginn in eine Art Kunst-Bazar mit feinsinnig ausgewählten Arbeiten der Schaumbad-Künstler, Igor F. Petkovic, Alexandra Gschiel, Elisabeth Gschiel und anderen mehr. Dort pulsiert das Leben, bis Gewalt eindringt und der Alltag nicht mehr so ist, wie er früher war.

An diesem Punkt setzt die Roman-Geschichte rund um eine Erzählerin und einen Verrückten ein, die beide Bekanntschaft mit dem »Haus aus Stein«, einem berüchtigten Gefängnis in Istanbul, machen. Es ist in Poesie geschossenes Leid, das hier berührt, es ist die gnadenlose Willkür, die sprachlos macht. Ein machtvoller Text in zurückhaltende, starke Bilder gegossen.

Michaela Reichart

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